So funktioniert die spezifische & unspezifische Immunabwehr: erworbenes und angeborenes Immunsystem einfach erklärt

Unser Immunsystem leistet einiges. Es läuft oft auf Hochtouren, ohne dass wir es überhaupt bemerken. Es ist die erste Anlaufstelle für Viren, Bakterien und andere Krankheitserreger. Das Immunsystem ist kein einzelnes Organ, sondern verschiedenste Bestandteile unseres Körpers sind Teil dieses Abwehrsystems. Diese haben zahlreiche Aufgaben. Generell unterscheidet man zwischen der spezifischen und der unspezifischen Immunabwehr. Was das genau ist, wie sich diese voneinander unterscheiden und welche Funktionen sie in unserem Körper übernehmen, erfahren Sie hier.

Frau beugt sich über ein Baby
© Aleksandar Nakic/iStock.com

Einfache Definition: die spezifische und unspezifische Abwehr des Immunsystems

Die unspezifische Abwehr ist ein Teil der Immunreaktion unseres Körpers und von Anfang an vorhanden. Das heißt, das unspezifische Immunsystem funktioniert schon von Geburt an und wird auch als angeborenes Immunsystem bezeichnet. Es schlägt Alarm, sobald unser Körper mit Erregern wie Viren und Bakterien in Kontakt kommt und umfasst die ersten Abwehrmechanismen unseres Körpers.

Die spezifische Abwehr bildet sich erst im Laufe unseres Lebens. Deshalb wird sie auch erworbenes oder adaptives Immunsystem genannt. Diese setzt erst ein, wenn die angeborene Immunabwehr versagt hat. An diesem Punkt sind die Erreger also schon in unseren Körper gelangt.

Was ist der Unterschied zwischen unspezifischer und spezifischer Abwehr?

Es gibt gleich mehrere Unterschiede zwischen der unspezifischen und der spezifischen Abwehr. Der Zeitpunkt, an dem sich der jeweilige Teil der Immunreaktion bildet, ist entscheidend für dessen Funktion. Die unspezifische Immunantwort erkennt und beseitigt körperfremde Stoffe, egal ob unser Körper mit dem Erreger schon einmal in Kontakt gekommen ist. Es ist also eine Art allgemeine Abwehr.

Unser erworbenes (adaptives) Immunsystem muss sich erst ausbilden und entwickelt sich das ganze Leben lang weiter. Es ist der spezifische Teil unseres Abwehrsystems, der auf bestimmte Erreger reagiert. Das Besondere: Die spezifische Abwehr passt sich an, lernt den Eindringling kennen und speichert ihn im sogenannten immunologischen Gedächtnis ab.

Spezifische und unspezifische Immunabwehr Unterschiede
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Was ist die unspezifische Immunabwehr genau und wie läuft sie ab?

Was bedeutet unspezifisch eigentlich?

Ähnliche Begriffe, die wir im Alltag oft verwenden, sind zum Beispiel schwammig, ungenau, unklar. Unspezifisch ist dagegen ein Wort, was als Fachsprache bezeichnet wird und bedeutet im medizinischen Bereich, dass etwas nicht auf ein spezielles Symptom oder eine Krankheit hindeutet.

Bei der unspezifischen Abwehr werden, wie der Name schon sagt, unspezifisch körperfremde Stoffe abgewehrt. Das bedeutet, das unspezifische Immunsystem ist nicht auf bestimmte Erreger spezialisiert. Es kann also zum Beispiel einen Virus, der Masern auslöst, nicht erkennen und unschädlich machen. Vielmehr werden alle Erreger auf die gleiche Art und Weise bekämpft.

Die Abwehrfunktion übernehmen beispielsweise die Haut sowie die kleinen Flimmerhaare der Schleimhäute. Als erste physikalische oder chemische Barrieren gelten außerdem der Säureschutzmantel der Haut, die Magensäure, der Speichel und unsere Tränenflüssigkeit. All diese Barrieren sollen verhindern, dass Bakterien, Viren und Co. einerseits in den Körper gelangen und andererseits sich dort festsetzen. Auch Fieber ist eine unspezifische Abwehrreaktion des Körpers. Es handelt sich hierbei um einen angeborenen Schutzmechanismus, welcher mittels Wärme versucht Bakterien und Viren zu bekämpfen.

Reichen diese Abwehrmechanismen nicht aus und dringen Erreger in unseren Körper vor, übernehmen spezielle Eiweiße und Abwehrzellen. Diese Zellen sind vor allem weiße Blutkörperchen (Fresszellen), welche die Erreger im wahrsten Sinn des Wortes auffressen. Auch die natürlichen Killerzellen gehören zur unspezifischen Immunabwehr, die gegen befallene Zellen vorgehen können.

Zu den unspezifischen Abwehrzellen gehören folgende weiße Blutkörperchen:

  • Granulozyten
  • Monozyten
  • Makrophagen
  • Dendritische Zellen
  • Mastzellen
  • Natürliche Killerzellen

Bis auf die Mastzellen und die natürlichen Killerzellen sind alles Fresszellen (auch Phagozyten). Diese fressen den Erreger fast komplett auf, nur ein kleiner Teil heftet sich an deren Oberfläche und kann so als solcher vom spezifischen Immunsystem erkannt werden.

Die unspezifische humorale Immunantwort – Das Komplementsystem kurz erklärt

Diese Art der Abwehr funktioniert hauptsächlich über Eiweiße, die in den Körperflüssigkeiten gelöst sind. Diese Proteine können sich an Krankheitserreger binden und werden so aktiviert. Indem sie eine Entzündung auslösen, können die Abwehrzellen besser zum Infektionsort gelangen. Außerdem locken sie die Fresszellen an, die sogleich ihre Aufgabe erfüllen. Auch können die Proteine sich an Erreger anheften und sie markieren, wodurch diese schneller von den Fresszellen erkannt werden können. Die Eiweiße alarmieren immer mehr Eiweiße, wodurch eine Art Kettenreaktion entsteht und die Immunabwehr sehr schnell gestärkt wird.

Es gibt nicht nur die Unterscheidung in erworbenes und angeborenes Immunsystem, sondern auch in zellulär und humoral. Der zelluläre Teil ist für bereits infizierte Zellen zuständig und erfolgt mittels Zellen, während die humorale Immunabwehr mittels Antikörper funktioniert.

Was ist die spezifische Immunabwehr und wie ist der Ablauf?

Dass Kinder infektanfälliger sind, liegt daran, dass ihnen die erworbene Immunität, welche Erwachsene im Laufe ihres Lebens bereits entwickelt haben, fehlt. Trotzdem ist unser spezifisches Immunsystem so etwas wie die Geheimwaffe der Immunabwehr und übernimmt, wenn die Erreger es geschafft haben, die Barrieren zu durchdringen und sich in unserem Körper breit machen. Die Erreger gelangen zuerst zu den Lymphorgangen, wie zum Beispiel den Lymphknoten oder dem Thymus. Dort warten schon die Lymphozyten (T- und B-Lymphozyten, natürliche Killerzellen), die sich an die passenden Antigene heften. Teile der erworbenen Immunität sind:

  • T-Lymphozten: Diese werden auch T-Zellen genannt und aktivieren B-Lymphozyten, Fresszellen und andere Immunzellen. T-Zellen haben verschiedenste Funktionen, am wichtigsten ist aber: sie setzen die spezifische Abwehr in Gang.
  • B-Lymohozyten: Sie wandeln sich nach Aktivierung durch eine T-Zelle in Plasmazellen um, welche eine Vielzahl an Antikörpern herstellen. Ein Teil der aktivierten Zellen wandelt sich in sogenannte Gedächtniszellen um.
  • Antikörper: Antikörper werden vom Immunsystem gebildet, um Erreger unschädlich zu machen. Diese binden nach dem sogenannten Schlüssel-Schloss-Prinzip an Antigene (besondere Oberflächenstruktur).

Warum die spezifische Immunabwehr so etwas wie die Geheimwaffe unseres Immunsystems ist, liegt vor allem an den Gedächtniszellen. Diese speichern Informationen über schädliche Eindringlinge, sodass unser Körper beim zweiten Mal viel schneller – nicht innerhalb weniger Tage oder Wochen, sondern vielmehr Stunden – reagieren kann. Man entwickelt eine gewisse Immunität und weil unser Immunsystem immer weiter dazulernt, werden wir gegen immer mehr Erreger immun. Trotzdem ist es wichtig, sein Immunsystem zu unterstützen.

Wie kann man die spezifische und unspezifische Immunabwehr unterstützen?

Unsere Immunabwehr ist rund um die Uhr beschäftigt. Schon der kleinste Schnitt reicht aus, um unser körpereigenes Abwehrsystem in Alarmbereitschaft zu versetzen. Deshalb ist es wichtig, dass wir unser Immunsystem stärken. Das geht zum Beispiel über ausreichend Schlaf, eine gesunde Ernährung mit reichlich Vitaminen, viel Bewegung und weniger Stress. Das alles tut aber nicht nur unserer Immunabwehr, sondern auch uns selbst gut.

Quellen:

https://flexikon.doccheck.com/de/Unspezifisch

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